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Auf dem Europäischen Fernwanderweg E11 vom Berliner Teufelsberg auf den Brocken

Etappe 1:
Berliner Teufelsberg - Caputh, 29 km

Etappe 2:
Tourenbeschreibung
Vom Schwielowsee zum Kloster Lehnin 27 km / 5h 40 Min
Caputh - Ferch - Spargelhof Klaistow - Kolpinsee - Kloster Lehnin
> weitere Etappen in Vorbereitung

Die längsten Etappe unserer Harzwanderung startet im einstigen Sommerfrischeort des Genius Albert Einstein Caputh. Sie werden hinauf auf die höchste Erhebung der Mittelmark geführt, flanieren am Ufer des Schwielowsees entlang, lernen das Zentrum des ostdeutschen Spargelanbaus kennen und können schließlich nach einem anstrengenden Tag die Seele im Kloster Lehnin baumeln lassen.Ausgangspunkt: Platz vor dem Schloss Caputh unweit des Bahnhofs Caputh-Schwielowsee (Falls Sie erst hier mit der Harzwanderung beginnen möchten, weil sie die städtischen Berliner Teilstücke schon gut kennen oder meiden möchten, können Sie bequem mit der Regionalbahn­linie 23 Potsdam Hbf. - Michendorf mit dem Ticket Berlin ABC hierhin oder bis zum Bahnhof Ferch-Lienewitz – ebenfalls direkt am Fernwanderweg E11 - vorfahren). Endpunkt der Etappe: Kloster Lehnin. Höhenunterschied nicht der Rede wert.



Die dritte Etappe der Tour von Berlin hinauf auf den Brocken startet vor dem Schloss Caputh (1). Dieser malerisch an der Havel zwischen dem Templiner See, dem Petzinsee, dem Caputher See und dem Schwielowsee gelegene Ort ist nicht nur für sein 1662 im Auftrag des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm am Havelufer erbauten Schlossbaus im Stile des Brandenburger Frühbarocks bekannt, sondern war auch von 222-222 Sommerfrische des Physikers Albert Einstein. Bis zu seiner durch die Nazis erzwungenen Emigration verbrachte der Genius viele Sommer in seinem Landhaus, das heute als Museum interessierten Besuchern offen steht (s. Infobox). Vom Schloss Caputh führt der Fernwanderweg E11 die Seestraße den Caputher See (2) entlang. Dem E11 werden wir auf unserer Etappe bis Kloster Lehnin ebenfalls - wie schon in den vorherigen Etappen - folgen.

Als Albert Einstein vor seiner Abreise zu einem Vortrag im Dezember 1932 sein Sommerhaus in Caputh verriegelte, soll er in böser Vorausahnung zu seiner Frau gesagt haben, sie solle noch einmal einen letzten Blick auf ihr Haus werfen. Nur drei Jahre zuvor, schenkte die Stadt Berlin ihrem berühmten Bewohner ein Grundstück im Grünen – in Caputh. Hier ließ sich Einstein ein Holzhaus bauen, er verlebte seine entspanntesten Sommer hier, zum Schluss lebte er fast das ganze Jahr hier, konnte er doch auf dem Lande so wunderbar alles Nichtige vergessen. Von seiner Reise kehrte er nie nach Deutschland zurück, das politische Klima hatte sich gegen ihn gewandt, sodass er seine Staatsbürgerschaft aufgab. Die Nazis enteigneten ihn bereits im Mai 1933, sein Caputher Sommerhaus wurde 1935 „konfisziert“ und zu einem Spottpreis dem Ort Caputh überlassen, die dort ein Heim für die Hitlerjugend einrichten wollte. Zu DDR-Zeiten wurde das Haus, nachdem man es in freudiger Erwartung der Rückkehr des sozialitisch denkeneden Einsteins herrichtete, Einstein aber in den USA blieb, vermietet. Zum hundertsten Geburtstag Einsteins 1979 renovierte man es zwar grundlegend, aber erst nach der Wende und vielen Erbschaftsproblemen konnte 2005 das Einsteinhaus in alten Antlitz wiederhergestellt werden. Seitdem steht es von April bis Oktober, Sa und So, 10-18 Uhr (Eintritt 5 €) interessierten Besuchern offen.


Bahnhof Ferch-Lienewitz (links) / Aufstieg zum Wietkiekenberg (rechts)

Die Nadelwälder links und rechts sowie die zu unserer Rechten befindlichen feuchten Niederungen gehören zur Lienewitz-Caputher Seenkette, einem Naturschutzgebiet. Lienewitz (3), den Ort den wir alsbad erreichen, ist ein Ortsteil von Ferch und nennt gleich drei Badeseen sein Eigen (Gr. und Kl. Lienewitzsee, Karinchensee). Am Bahnhof Ferch-Lienewitz überqueren wir die Gleise und biegen rechts ab. Hier beginnt der Anstieg zum Wietkikenberg (4). Mit 124,7 Metern übrigens die höchste Erhebung in der Mittelmark. Der E11 führt direkt über den Gipfel, auf dem ein nur für die Feuerwehr begehbarer Turm zur Waldbrandüberwachung steht (s. Abb.). Sanft fällt der Weg ab hinunter in den Ort Ferch und geht unter der Landstraße in eine Seepromenade (5) über. Herrschaftliche Villen sowie unzählige private und öffentliche Badestellen (Strandbad Ferch – Öffnungszeiten zu erfragen Tel. 033209-70295 - Dorfstr. 50) säumen den Wegesrand.


Wietkiekenberg: Waldbrandturm // Strandbad Ferch

Der E11 folgt der Uferpromenade bis zum Mühlengrund. Hier zweigt er links ab und steigt an bis zum alten verfallenen Waldcafé. Weiter geht es durch die Kemnitzerheide, am Forsthaus vorbei am Zachariasberg (6) zu unserer Linken. Über die Fercher Straße, einer nicht-asphaltierte Landstraße, auf der Ihnen vermutlich während Ihrer Tour kein Auto begegnen wird, überqueren Sie den Berliner Autobahnring (A10) sowie kreuzen die durch den dichten Kiefernwald der Zauche (der Name hat slawischen Ursprungs und bedeutet 'trockenes Land') gezogene breite Schneise für eine wichtige europäische Hochspannungsleitung. Mitten im Wald liegen drei kleine Siedlungen. Nach dem sich die Bäume etwas lichten stehen Sie vor einem riesigen Gehöft, dem Spargelhof Klaistow (7).


Alter Waldfriedhof Ferch und Forsthaus Ferch

Der Name verwirrt, längst ist hier kein Bauernhof mehr untergebracht, sondern eine der größten Verkaufs- und Verzehrstellen für Spargel. An den Wochenenden locken Bauernmärkte, Restaurants und Spargelverköstigungen zigtausende Berliner hinaus aufs Land. Der E11 geht quer über den Hof, bei gutem Wetter müssen sich also den Weg durch die Menge und über den Feldparkplatz bahnen, bevor sie wieder auf der Stille der Spargelfelder ankommen. Rund um den Ort Klaistow, zu dem auch der Spargelhof gehört, befindet sich eines der größten Anbaugebiete für den Asparagus rund um Berlin. Im Frühjahr scheint es, als wären die Felder schneebedeckt, dabei reflektieren nur die weitläufigen Plastikplanen des Spargelanbaus in der Sonne. Etwa zwei Kilometer hinter dem Spargelhof biegt der E11 rechts ab, zurück in den dichten märkischen Wald. Der Weg schlängelt sich regelrecht zwischen den engstehenden Kiefern durch. An den Baumstämmen finden sich noch viele Narben aus der Zeit, als die DDR versuchte, Kieferharze für die chemische Industrie zu verwenden.


Spargelfelder bei Klaistow

Bald ist der Kölpinsee (8, s. Abb.) erreicht, er liegt mittem im Wald. Beliebt ist er besonders bei Anglern, denn es gibt keine Häuser und Straßen am Seeufer. Die Stille lockt wohlmöglich besser die Fische an. Aber nicht nur die Fische, auch Anhänger der Freikörperkultur nutzen diesen freigegebenen See für eine Abkühlung. Nur wenige hundert Meter entfernt das zweite Gewässer: Der Schampsee (9), letzte Möglichkeit vor dem Kloster Lehnin für ein erfrischendes Bad. Die restlichen drei Kilometer bis zur ehemaligen Ziesterzienserabtei (10) sind schnell gelaufen, dann warten Stärkung im Klostercafé und kontemplative Entspannung in den Hallen des Klosterschiffes auf den müden Wanderer.


Zwischen Klaistow und dem Kolpinsee

Das Kloster Lehnin wurde im Jahre 1180 als Zisterzienser­abtei und damit als erstes Kloster der Mark Brandenburg von Otto I. gegründet und bestand bis zu seiner Säkularisierung 1542 als markgräfliches Hauskloster der Askanier fort. Lehnin besaß viele Ländereien in der Mittelmark und auf dem heutigen Berliner Stadtgebiet. Die Große Kurfürst und seine Frau Luise Henriette wandelten das sakularisierte Kloster in ein Jagdschloss um und machten es zu ihrer Sommerresidenz. Nach Luises Tod verfielen die romanischen und gotischen Bauten im 18. Jahrhundert zusehends und wurden als Steinbruch benutzt. Während umfangreicher Restaurierungsarbeiten in den 1870er Jahren wiederhergestellt werden. Die damaligen Anstrengungen werden heute als erst deutsche Denkmalschutzmaßnahme gewürdigt. Zu DDR-Zeiten wurde die Anlage Krankenhaus, seit 1993 befindet sich in einem Teil des Klosters ein Diakonissenheim für Alten- und Krankenpflege (Luise-Henrietten-Stift).


Hinweise zur Etappe

Anforderungen: Problemlose Wanderung größtenteils auf sandigen Waldwegen. Eventuell bei Regen- und Tauwetter Gefahr von Matschbildung.
Einkehr: In Ferch gibt es einige Cafés und Restaurants (teilweise direkt am E11 gelegen mit Blick auf den Schwielowsee), bei Klaistow führt der E11 direkt durch den Spargelhof (zwischen Ostern und Herbst beliebter Bauernmarkt mit vielen Verkostungsmöglichkeiten sowie Restaurants mit einheimischer Küche und Spargelgerichten), außerdem in Lehnin diverse Gaststätten, auch direkt im Kloster gibt es ein Café.


Am Kolpinsee


Unterkunft: Etappenbedingt empfehlen wir Ihnen, Gasthäuser im Klosterort Lehnin anzuvisieren: Kat. I. Gästezimmer Renate Dörnbrack , Lindenstr. 8 , 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-700541; Gästezimmer Waltraud Förster, Wiesenweg 12, 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-558; Kat. II. Pension Dechow, Potsdamer Straße 3 (direkt am E11, ausgeschildert), 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-654; Gästehaus Am Klostersee 12, 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-734100; Kat. III.-IV. Hotel Markgraf, Friedensstr. 13 , 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-765430; Hotel Seehof, Am See 51, 14797 Kloster Lehnin OT Netzen , Tel. 03382-7670,.

Sollten Sie vorher schon pausieren wollen, sollten Sie in Ferch Halt machen, denn direkt am Schwielowsee gelegen gibt es hier schöne Landgasthöfe: Kat. I-II. Pension Schwielowsee‎ , Burgstr. 7 , 14548 Ferch, Tel. 033209/8464; Kat. III. Haus am See , Neue Scheune 19 , 14548 Ferch, Tel. 033209/70955‎. Hotel & Restaurant Bootsklause , Seeweg 5 , 14548 Ferch , Tel. 033209 / 7600; Kat. IV. Hotel Landhaus Ferch‎ , Dorfstraße 41 (direkt am E11), 14548 Ferch , Tel. 033209- 70391;
‎ Camping: Campingplatz Neue Scheune‎ , Neue Scheune 14548 Ferch , Tel. 033209-70957. Naturcampingplatz Seeblick am Klostersee, An der Reiherheide 2, 14797 Kloster Lehnin , Tel. 03382-700442



‎Information: Tourismusbüro Schwielowsee , Straße der Einheit 3  14548 Caputh , Tel. 033209-70899, Fax 033209-70898 , Mail
info@schwielowsee-tourismus.de , Öffnungszeiten: Mo-Fr 10–16 Uhr, Sa 10-14 Uhr (Nov-Mrz nur  Mo-Fr 11-15 Uhr).
Agentur für Tourismus Lehnin, Markgrafenplatz 1, 14797 Kloster Lehnin, Tel. 03382-704480, Öffnungszeiten: Mo-Fr 09 - 17 Uhr

Tipps: Museum der Havelländischen Malerkolonie Ferch: Ein 2002 gegründeter Förderverein setzte sich für den erhalt des letzten erhaltenen Kossätenhaus (ein typisch-havelländisches reetgedecktes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert) in Ferch ein. In den letzten Jahren entstand hier ein Museum, das Werke der Landschaftsmaler zeigt, die während der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert am Schwielowsee ihre Sommer verbrachten. Beelitzer Str. 1, 14548 Ferch, Tel. 033209-21025, Geöffnet: Mi-So 11-17 Uhr (Nov-Apr nur am Wochenende).Im Hof des Kloster Lehnins befindet sich ein Museum, in dem über das geistlichen Leben und die Krankenpflege-Geschichte der Klosteranlagen berichtet wird. Klosterkirchplatz, 14797 Lehnin, Tel. 03382-768841, Geöffnet: Mo-Sa 10-17 Uhr, So 13-17 Uhr

Etappe 3: Kloster Lehnin - Bad Belzig, 28 km
Etappe 4: Bad Belzig - Coswig (Anhalt), 31 km
Etappe 5: Coswig (Anhalt) - Jeßnitz (Anhalt), 27 km
Etappe 6: Jeßnitz (Anhalt) - Petersberg, 28 km

Etappe 7: Petersberg - Halle Trotha - Burg Giebichenstein - Dölauer Heide - Süßer See, 31 km / 6 1/2 Stunden

Bei Coswig tritt der E11 aus dem Fläming heraus und überquert die Elbe. Zwischen dem Elbtal und der Stadtgrenze bei Halle-Trotha verläuft der E11 die Niederungen zwischen Bitterfeld und Wolfen, die zu DDR-Zeiten eher für ihre Chemiewerke bekannt waren als für eine schöne Wandergegend. In den letzten Jahrzehnten hat sich das grundlegend verändert. Unsere Etappe 7 beginnt am 250 Meter hohen Petersberg, einem beliebten Ausflugsziel der Hallenser. Dort befindet sich ein Kloster, ein Fernsehturm, eine Sommerrodelbahn, ein Tierpark und ein Bismarckturm. Nördlich von Halle wird die Landschaft im Großen und Ganzen hügeliger und kurz hinter der Stadtgrenze trifft der E11 in den Klausbergen auf die Saale. Ein kleiner Weg führt vom E11 direkt hinunter an die Saale entlang eines Steinfelsens, der als Jahn-Höhle bekannt ist.

  Jahnhöhle und Burg Giebichenstein

Die Jahnhöhle ist nach Friedrich Jahn benannt, der wiederum als Turnvater Jahn bekannt ist. Der Legende nach versteckte er sich während seines Studiums in Halle (um 1800) ein paar Tage in der Höhle aus Angst vor seinen Bundesbrüdern aus seiner Studentenverbindung, mit denen er wohl eine Fehde hatte. Während er im Versteck wartete, schrieb er eines seiner ersten Bücher.

Nun beginnt der schönste Teil des E11 auf Hallenser Stadtgebiet. Kurze Zeit später ist die um das Jahr 1000 erbaute Burg Giebichenstein erreicht. In dem alten Burggemäuer, das auf einem 87 Meter hohen Felsen oberhalb der Saale thronst, residiert heute die Hallenser Kunsthochschule.

    Blick aufs Riveufer

Direkt an der Burg Giebichenstein überquert der Weg die Saale und führt unterhalb des Ortsteils Kröllwitz, der erhöht über dem Saaletal liegt, bis zur Dölauer Heide. Unterwegs kommt der Wanderer am Amselgrund, den Kreuzer Teichen und dem Hallenser Uniklinikum vorbei, bevor mit der Gaststätte Waldkater die Heide erreicht ist. Hier zweigt auch der Harzclubstieg ab, der ebenso wie der E11 zum Heidesee führt. In der Dölauer Heide lohnt eine Rast am Kolkbergturm (auf dem 133 Meter hohen Kolkberg), von dem eine Aussicht auf die ganze Stadt möglich ist. Hinter dem Heidesee verlässt der E11 das Stadtgebiet und führt weiter in Richtung Harz. Kurz vor der Lutherstadt Eisleben endet die beschriebene Etappe hinter Köllme in einem der nördlichsten Weinbauanbaugebiete Europas bei Seeburg am Süßen See.

Restaurant Waldkater


Etappe 8: Seeburg - Hettstedt, 29 km
Etappe 9: Hettstedt - Quedlinburg, 29 km
Etappe 10: Quedlinburg - Wernigerode, 30 km

Etappe 11: Wernigerode - Brocken (über Ilsetal), 19 km



Im Ilsetal, welches schon von Heinrich Heine durchwandert wurde, geht es hinauf zum Brocken.

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Andreas Jüttemann März 2013 und Januar 2014
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